Allein in der Fremde

Geflüchtete Kinder

Hallo, mein Name ist Alireza*. Ich bin vor drei Monaten und zwei Wochen mit dem Zug nach Stuttgart gekommen. An diesem Tag hat mir ein anderer Junge aus Afghanistan am Bahnhof erzählt: „Ich wurde von meiner Familie in Griechenland getrennt.“ Er war ganz verzweifelt. Ich habe ihm mein Handy gegeben, damit er seine Eltern anrufen kann. Aber er hat es nicht genommen, sondern hat nur gesagt: „Danke, aber ich habe ihre Nummer nicht mehr.“ Ich wollte ihm gerne helfen, aber ich wusste nicht wie. Also habe ich ihn mit zu mir nach Hause genommen und ihm gezeigt, wo ich wohne. Ich habe ihm gesagt, dass er wiederkommen kann, wenn er traurig ist, und dass ich für ihn da bin. Aber ich habe ihn nicht gefragt, wo er wohnt.

Und plötzlich musste ich weg

Am nächsten Tag haben die Betreuer*innen im Heim mir gesagt, dass ich umziehen muss. Mein neues Heim war ungefähr zehn Minuten entfernt, aber der Weg dorthin war kompliziert. Als ich dort ankam, ist mir der Junge, der seine Familie verloren hat, wieder eingefallen und ich habe mir Sorgen gemacht. Ich habe versucht, ihn wiederzufinden. Ich habe meinen Freunden aus dem ersten Heim von ihm erzählt, aber sie kannten ihn nicht. Leider habe ich ihn nicht wiedergefunden. Jetzt habe ich immer noch ein schlechtes Gewissen, weil ich ihm gesagt hatte, dass er zu mir kommen kann, und ich nicht mehr da war.

Wir waren nur einen Tag zusammen, aber ich wollte trotzdem sein Freund sein. Ich bin dann nochmal umgezogen und wohne jetzt seit ein paar Wochen in einem anderen Heim mit 30 Jungen zusammen. In die Schule bin ich schon am dritten Tag nach meiner Ankunft gegangen. Ich warte darauf, dass ich in eine kleinere Wohngruppe umziehen kann. Zuerst möchte ich Deutsch lernen und dann in eine normale Klasse gehen und Abitur machen.  

*Name von der Redaktion geändert

Wie unbegleiteten, minderjährigen Geflüchteten in Dortmund geholfen wird, berichtet Paula Winter. Wenn ihr persisch sprecht, könnt ihr den Originaltext hier herunterladen: 

PDF iconalireza_allein_in_der_fremde_persisch.pdf

Alireza
Alireza
15 Jahre, Masar e-Scharif
... ist froh, den Aufenthaltsort seiner Familie zu kennen.

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