Auf dem Weg in den Arbeitsmarkt

Sprache als Tor zum Arbeitsmarkt

Wer als Asylbewerber*in in Deutschland arbeiten möchte, muss zunächst einen großen Berg an Bürokratie bewältigen: „Erst drei Monate nach Stellung des Asylantrages dürfen Flüchtlinge einen Job annehmen“, erklärt Dolores Longares-Bäumler, Leiterin der Flüchtlings- und Migrationsarbeit der Caritas Bayreuth. Denn wenn das Asylverfahren noch läuft, verfügen Geflüchtete nur über eine Aufenthaltsgestattung. Die ersten drei Monate bleibt ihnen der Zugang zum Arbeitsmarkt verwehrt. Erst wenn ihr Verfahren positiv entschieden ist, sie „anerkannte Flüchtlinge“ sind und über eine Aufenthaltserlaubnis verfügen, dürfen sie auch uneingeschränkt arbeiten.

Diese Erfahrung macht derzeit Miran* aus dem Irak. Ihm ist es noch nicht möglich, hier zu arbeiten, denn er ist erst vor Kurzem mit seiner Familie nach Bayreuth gekommen: „In meiner Heimat war ich IT- Professor“, erzählt Miran. „Mein Wunsch ist es, hier in Deutschland irgendwann einmal zu promovieren.“ Doch nicht jede*r Arbeitswillige ist so hoch qualifiziert wie Miran. „Es ist wichtig, die einzelnen Flüchtlinge individuell zu unterstützen“, betont Ulrike Pandjeli vom Sozialdienst für Flüchtlinge, die wie Dolores Longares-Bäumler eine direkte Ansprechpartnerin für Geflüchtete bei der Caritas in Bayreuth ist. Grundvoraussetzung für einen guten Arbeitsplatz sei es, Deutsch zu lernen: „Andernfalls wird man meist nur für Hilfsarbeiten eingestellt“, sagt Pandjeli. Allerdings gebe es bei der Jobsuche inzwischen viel Unterstützung: „Neben dem verpflichtenden Integrationskurs, in dem Flüchtlinge Sprache, Kultur und Gesetze kennenlernen, ist das Angebot an freiwilligen Projekten in letzter Zeit enorm gestiegen.“

Ausbildung als Chance

Ein solches Projekt verwirklicht gerade die Firma schlaeger, ein mittelständisches Unternehmen aus Bayreuth, das Automobilteile anfertigt. Zu Beginn des Jahres 2016 haben dort sechs junge Asylbewerber ein Praktikum absolviert. „Damit haben wir sehr gute Erfahrungen gemacht“, erzählt Personalleiter Stefan Günther: „Die Jugendlichen waren motiviert, pünktlich und immer freundlich.“ Die Firmenleitung von schlaeger will Geflüchteten irgendwann eine Ausbildung zum Maschinen- und Anlagenführer ermöglichen können. Obwohl bis dahin noch viele Fragen geklärt werden müssen, ist Stefan Günther optimistisch: „Gerade aufgrund des Fachkräftemangels in vielen handwerklichen Bereichen können solche Projekte eine Zukunft haben.“

Folani* aus Äthiopien wäre schon mit einer einfacheren Arbeit zufrieden. Er lebt seit fünf Jahren in Deutschland, aktuell in Bayreuth, und hat bisher durch verschiedene Minijobs Geld verdient. Obwohl er nur wenig Deutsch spricht, hat er sich an seinem letzten Arbeitsplatz in einem Warenlager wohl gefühlt: „Dann aber war ich für einen Monat krank geschrieben“, erzählt Folani, „und mir wurde gekündigt.“ Momentan ist er auf der Suche nach einem neuen Jobangebot. In Äthiopien war er Autoverkäufer – in Deutschland ist er dankbar für die vielen Möglichkeiten: „Es ist gut, zu arbeiten und Geld zu verdienen.“

Erst einmal ankommen

Auch durch spezielle Weiterbildungen und die Mitarbeit deutscher Arbeitgeber*innen besteht die Möglichkeit, berufliche Perspektiven für all jene zu schaffen, die vor Krieg, Terror oder Armut nach Deutschland geflohen sind. „Dennoch darf man nicht vergessen, dass die Menschen in Deutschland erst einmal ankommen müssen“, meint Dolores Longares-Bäumler von der Caritas Bayreuth. „Dies funktioniert allerdings leichter, wenn sie dabei durch ein vielfältiges Integrations- und Arbeitsangebot unterstützt werden.“

* Name von der Redaktion geändert

Wie sich Geflüchtete beschäftigen, während sie auf eine offizielle Arbeitserlaubnis warten, seht ihr in diesem Video

Anastasia Stark
16 Jahre, Abenberg
... hat immer kalte Hände, aber ein warmes Herz.

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