Frei für immer

Eritrea

Sami und Alexander kennen sich aus in Stuttgart. Wie andere Jugendliche fahren die beiden 16- und 17-jährigen Jungen mit der U-Bahn, spielen Basketball oder schauspielern in einer Theatergruppe. Dabei sind sie noch gar nicht lange in Stuttgart, sondern erst seit ein paar Monaten. Sie kommen aus Eritrea, einem kleinen Land am roten Meer zwischen dem Sudan, Äthiopien und Dschibuti. Jeden Tag gehen sie in eine Sprachschule und lernen Deutsch. Was sie bisher alles erleben mussten, merkt man den beiden Jungen nicht an.

„In Eritrea gibt es sehr viele Probleme“, erzählt Sami. „Die Leute sind arm, es gibt keine Arbeit oder Ausbildung.“ Wer 18 Jahre alt sei, müsse zum Militär und kämpfen. „Wenn du etwas Schlechtes über Eritrea sagst, wirst du getötet. Ich möchte aber arbeiten und in Frieden leben.“ Krieg gibt es im Moment zwar nicht in Eritrea, aber der Präsident Isaias Afwerki regiert in dem kleinen Land als Diktator. Es gibt keine Meinungs- und Religionsfreiheit, täglich werden Menschen, die nicht die Befehle des Militärs befolgen, ins Gefängnis geworfen oder getötet. Deshalb suchen viele einen Weg in die Freiheit und machen sich auf die gefährliche Reise nach Europa.

Eritreische Gemeinschaft in Stuttgart

Auch Sami und Alex hoffen auf eine bessere Zukunft in Deutschland. Alex ist seit fünf Monaten hier. Auch er wollte nicht zum Militär und mit Waffen gegen andere Menschen kämpfen: „In Deutschland kann ich lernen, eine Ausbildung beginnen und Geld verdienen. Hier bin ich frei, für immer.“ Laut des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge (BAMF) stellten vergangenes Jahr 10.876 Eritreer*innen wie Sami und Alex einen Asylantrag in Deutschland, knapp 2.600 davon in Baden-Württemberg. Damit gehörte Eritrea 2015 zu den Top-Ten-Herkunftsländern von Asylantragsteller*innen in Deutschland.

Weil viele Eritreer*innen auch in Stuttgart bleiben, gibt es in der Stadt ein großes Angebot an Vereinen und Freizeitaktivitäten. Hier haben sie einen Ort, an dem sie sich treffen und miteinander Zeit verbringen können. So gibt es zum Beispiel einen eritreischen Sportverein, verschiedene Cafés und auch eine eigene Radiosendung in der Landessprache Tigrinya. Weit weg von ihrer alten Heimat ziehen sich trotzdem politische Gräben durch die eritreische Gemeinde: „Es gibt zwei Gruppen “, meint Sami. „Die einen unterstützen die Regierung in Eritrea, die anderen nicht.“ Wer die Regierung gut finde, lebe vielleicht schon 30 oder 40 Jahre in Deutschland und kenne die Zustände in Eritrea gar nicht. „Ich bin erst vor acht Monaten von dort weg und weiß, wie schrecklich es dort zugeht.“

Irgendwas mit Auto

Deshalb wollen die beiden Jungs erst einmal nicht zurück. Sie fühlen sich wohl in Deutschland und genießen ihre Freiheit. Und sie haben Pläne für die Zukunft: Beide wollen Automechaniker werden, Alex am liebsten bei Mercedes. Er hat sogar schon ein Praktikum in der Werkstatt seines Onkels in Eritrea gemacht. Sami möchte dagegen neue Autos entwerfen. Mit dem Geld, das er verdienen wird, möchte er seiner Familie und anderen Menschen helfen. Die Hauptsache ist für Alex und Sami daher, einen guten Schulabschluss zu machen und eine Ausbildung zu finden. Den ersten Schritt dazu tun sie gerade und lernen richtig Deutsch.

Was sich junge Geflüchtete vom Bildungssystem in Deutschland erhoffen, lest ihr hier. Von Ausbildungschancen in Bayern berichtet Anastasia Stark

Tewelde & Rebecca Pfister
17 Jahre, Asmara & 25 Jahre, Karlsruhe
… gehen in Stuttgart am liebsten eritreisch essen.

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