Integration durch Mülltrennung

Stell dir vor, du wunderst dich über die verschiedenen Mülleimer auf der Straße und du weißt nicht, wofür die unterschiedlichen Farben stehen. Mehdi Harichane kennt das Gefühl und hat sich vorgenommen, allen, die sich diese Frage stellen, das System dahinter zu erklären. Seine Devise: "Integration beginnt mit der Mülltrennung."

Mehdi ist 39 Jahre alt und arbeitet hauptberuflich beim Deutschen Roten Kreuz (DRK) im Saarland. Mit 21 Jahren floh er aus dem algerischen Bürgerkrieg nach Deutschland. Er hoffte auf ein angstfreies Leben, auf einen Studienplatz, eine Zukunft. Doch dies war schwer, vor allem, da niemand da war, der ihm half, die Formulare auszufüllen.

Jetzt unterstützt er andere: Er ist Teil des sogenannten BASiS-Projekts (Begleitung von Asylbewerbern und Asylbewerberinnen als Starthilfe im Saarland), welches aus Mitteln des europäischen Fonds für Integration, Asyl und Migration und des saarländischen Ministeriums für Inneres und Sport finanziert wird. Zwei Tage in der Woche arbeitet er in der Landesaufnahmestelle (LaST) für Flüchtlinge in Lebach, die restliche Zeit ist er mobil in Teilen Saarbrückens und in zahlreichen Gemeinden des Stadtverbands Saarbrücken unterwegs.

Mehdi ist immer auf Achse – sein Arbeitsplatz ist sein Auto. Foto: Anna Rakhmanko.

Die Grundidee des Projektes ist es, Geflüchteten mit guten Anerkennungschancen bei der Integration in Deutschland zu helfen. Mehdi begleitet diese beim Umzug von der LaST in die einzelnen Kommunen. Seine Sprachkenntnisse in Arabisch und Deutsch helfen ihm dabei maßgeblich. Er hilft außerdem bei Behördengängen, Alltagsfragen und der Kontaktherstellung zur Nachbarschaft.

In der LaST selbst hält Mehdi wöchentlich eine Infoveranstaltung über die deutsche Gesellschaft, die Kultur, Bräuche und auch über die ihm sehr am Herzen liegende Mülltrennung. Mehdi erzählt, wie er einmal gerufen wurde, als ein Geflüchteter seinen Müll aus Unwissenheit in die Mülltonne seines Nachbars war, woraufhin dieser die Polizei rief. Als die Polizei kam, übersetzte Mehdi, das Missverständnis klärte sich auf. Am Ende konnten – zum Glück - alle darüber lachen.

Entdeckung der westlichen Demokratie

Besonders wichtig ist Mehdi ebenso, dass die Menschen die Machtverteilung in Deutschland verstehen. Viele von ihnen kommen aus einer Diktatur und müssen das System Demokratie mit all ihren Facetten und Zusammenhängen von Grund auf kennenlernen. "Wenn ich so etwas erkläre, dann sagen alle ‚Wow, wie?‘ Deswegen versuche ich immer, das einfach zu erklären um sie auch vorzubereiten, falls sie Angehörige in anderen Bundesländern haben", berichtet Mehdi. Schnell fügt er noch hinzu, dass die föderale Struktur und die Unterschiede zwischen den einzelnen Bundesländern oft Verwirrung stiften.

Durchschnittlich kommen zwischen 60 und 100 Personen zu seiner Infoveranstaltung, manchmal auch mehr. Die Geflüchteten haben viele Fragen und die kurze Zeitspanne der Veranstaltung reiche oft nicht aus, um alles Wichtige zu klären. Deshalb möchte Mehdi ein neues Projekt ins Leben rufen, welches Geflohenen die Möglichkeit geben soll, sich monatlich innerhalb der Gemeinde zu treffen und ihre Fragen zu klären.

Brückenbauer zwischen Welten

Mehdi sagt über sich selbst, dass er sich wie eine Brücke zwischen zwei Kulturen fühle: "Ich bin nicht hier geboren, aber ich bin seit 18 Jahren in Deutschland, kenne die deutsche Gesellschaft, die deutsche Kultur und ich weiß auch wie in den Heimatländern die Kultur und die Gesellschaft ist."  Mit seinem Engagement möchte der Sozialberater helfen, Missverständnisse zu vermeiden. Denn seiner Meinung nach entstehen viele Probleme durch Unwissenheit, fehlende Kommunikation und Vorurteile – auf beiden Seiten. Deswegen sein Appell an alle: "Menschen brauchen Zeit sich zu integrieren. Wir müssen geduldig bleiben, wir müssen jetzt Zeit investieren."

Laura Meyer
16 Jahre, Saarbrücken
... hat bei diesem Gespräch mehrere Interpretationsmöglichkeiten des Wortes "Brückenbauer" kennengelernt.

Projektpartner