Integration und Islam

Islam und Integration

Wie Islam und Integration zusammengehen können, ist eine schwierige Frage. Um einer Antwort näher zu kommen, wurden zwei syrische Geflüchtete und zwei Deutsche, die mit Geflüchteten in Bayern arbeiten, befragt.

Mana* ist mit ihrer Familie von Aleppo nach Deutschland geflüchtet und wohnt jetzt schon seit längerer Zeit in Bayreuth.  

Was bedeutet der Begriff „Integration“ für Sie?

„Ich will zuerst über die Menschlichkeit der Deutschen sprechen. Wir waren verblüfft über die hier herrschende Menschlichkeit und die Behandlung, die uns zuteil geworden ist. Was Integration angeht, so ist sie nicht gleichbedeutend mit der Aufgabe unserer syrischen Identität. Ganz im Gegenteil: Wir als Syrer haben eine Zeit erlebt, in der unterschiedliche Religionen harmonisch zusammenlebten. Als syrische Muslime sind wir fähig, diese Integration zu leben – wenn auch mit bestimmten Regeln.“

Welche Regeln sind das Ihrer Meinung nach?

„Als Syrer integrieren wir uns innerhalb kürzester Zeit. Integration steht nicht im Widerspruch zu unserer Existenz als Muslime. Wir wollen, dass alle wissen, dass der Islam eine Religion der Toleranz, der Moral und des Respekts ist.“

Einen ähnlichen Standpunkt vertritt auch Dominik Sirtl, der sich als Freiwilliger um Geflüchtete in Waldsassen kümmert.

Wie funktioniert Integration in die deutsche Gesellschaft?

„Integration bedeutet das Zusammenleben von Menschen, die aus verschiedenen Kulturen kommen und verschiedenen Religionen angehören. Die Verständigung funktioniert, ohne dass man seine Religionszugehörigkeit verkündet oder versucht, anderen die eigenen Ansichten aufzuerlegen. Integration ist also ein wechselseitiger Prozess zwischen Geflüchteten und deutschen Bürgern.“

Welcher Aspekt ist Ihnen dabei besonders wichtig?  

„Es ist wichtig, sich vom Prinzip der Ghettoisierung zu entfernen. Denn in einigen Städten passiert es, dass ganze Stadtteile einer bestimmten Gruppe oder Nationalität zugeteilt werden. Dort ist es beispielsweise Frauen nicht möglich, effektiv am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen.“

Yahia Mahmud, Islamwissenschaftler aus Syrien, wohnt seit acht Monaten in Bayern und betont ebenfalls die Notwendigkeit der Anpassung. 

Wie gestaltet sich Integration aus Sicht eines Geflüchteten?

„Integration ist der Prozess, dass Geflüchtete sich an die Gesetze eines neuen Landes anpassen müssen. Es ist wichtig, dass sie keine Handlungen begehen, die die Gesetze des Landes verletzen oder den Ruf der Geflüchteten schädigen. Wichtig für die noch kommenden Geflüchteten – insbesondere die Muslime – ist es, bescheiden zu sein, um die Gesetze dieses Landes voll und ganz verstehen zu können.“

Ist der Islam ein Integrationshindernis?

„Was wir von den Moral- und Ethikvorstellungen der Deutschen mitbekommen haben, passt gut zum Kern der islamischen Moral. Die Moral der Deutschen ist nobel, sie akzeptiert andere. Daher müssen Geflüchtete die guten Taten der Deutschen auch mit guten Taten vergelten. Schließlich braucht der Islam Menschen, die sein gutes Wesen offenbaren. Als muslimische Geflüchtete stehen wir unter dem Gesetz und sind gewillt, uns eine gemeinsame Zukunft in Deutschland aufzubauen.“

Auch Markus Scharnagel, Integrationsbeauftragter der Stadt Waldsassen, ist von der Möglichkeit, den Islam in die deutsche Gesellschaft zu integrieren, überzeugt.

Was bedeutet für Sie der Begriff „Integration“?

„Was die Stadt Waldsassen betrifft, bedeutet Integration, dass die Ankommenden am kulturellen und sozialen Leben, aber auch am Arbeitsleben teilhaben. Integration ist ein wechselseitiger Prozess zwischen der Gesellschaft und den Ankommenden. Die Ankommenden müssen dabei unsere Lebensweise und unsere Kultur achten.“

Gibt es Probleme bei der Integration muslimischer Geflüchteter?

„Nein, ich glaube eher, dass der Islam sich an die Art und Weise des Lebens hier in Deutschland anpasst und dass eine Verständigung zwischen beiden Seiten entsteht. Zweifelsohne herrscht momentan bei vielen Menschen die Ansicht vor, dass der Islam Probleme verursacht. Aber ich habe Erfahrung in der Arbeit mit Geflüchteten und glaube nicht, dass das Problem der Islam ist. Das Problem sind die Fundamentalisten dieses Glaubens.“

*Name von der Redaktion geändert. 

Übersetzung aus dem Arabischen: Inga Dreyer

Welche Rolle Moscheen bei der Integration muslimischer Geflüchteter spielen können, lest ihr hier

Ibrahim Loul
22 Jahre, Idlib
… hat sich den Wahlspruch „carpe amorem” zu eigen gemacht.

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