Ohne Arbeit ein Albtraum

Nach ihrer Abreise aus dem Land des Todes, aus Syrien, und ihrer Ankunft in Deutschland, denkt die Familie Farukh ernsthaft über die Entscheidung nach zurückzukehren - obwohl in Syrien den Vereinten Nationen zufolge immer noch die schlimmsten humanitären Katastrophen in diesem Jahrhundert passieren. Warum wollen sie dahin zurückkehren?

„Wir wurden empfangen und nett behandelt… aber!“

Fünf Jahre nach dem Ausbruch des Krieges, der seit seinem Beginn im Jahr 2011 bereits mehr als 500.000 Opfer gefordert hat, beschloss die Familie Farukh, ihren 17-jährigen Sohn nach Deutschland zu schicken. Das Lebensrisiko und die Angst, dass er "verhaftet wird oder in den Militärdienst muss in seinem jungen Alter" wurde immer höher. Durch eine Familienzusammenführung sollte er die restlichen Familienmitglieder nachholen, um danach, aber auf einer anderen Art und Weise, zu leiden.  

Bittere Fremde

Abdul Razzaq, 42 Jahre und Haushaltvorstand der Familie, sagt: "Mein Leben hier ist unerträglich geworden. Ich mache nichts Wichtigeres, als Dinge für Zuhause in den türkischen Geschäften einzukaufen, mich mit Leuten zu verständigen und den notwendigen Papierkram vom Jobcenter zu erledigen."

Jeden Tag wächst die ernsthafte Entscheidung der Familie Farukh nach Syrien zurückzukehren. Das Leben in Deutschland sei auch gefährlich, hier "stirbt die Hausfrau im Stillen", sagte Abdul Razzaqs Frau. Sie ist sich bewusst darüber, wie gefährlich die Rückkehr ist: "Was ich auch weiß, ist, dass sich viele Menschen wünschen in einem sicheren Land wie Deutschland zu leben. Aber die Fremdheit, die ich hier fühle, ist sehr bitter. Ich lebe in einem fremden Land. Ich kenne keinen und keiner kennt mich, es ist ein furchtbares Ohnmachtsgefühl für mich."

Das Leben hat keinen Sinn ohne Arbeit…

"Die Behandlung, die wir von den Deutschen in der Region erhielten, fand ich nett, gütig und freundlich und die Deutschen respektieren unsere Kultur und Tradition. Das ist auch so bei den Behörden, wie zum Beispiel dem Jobcenter", erklärt Frau Farukh.

Aber der Ehemann Abdul Razzaq hat einen weiteren Grund, er sagte: "Ohne Arbeit zu bleiben ist für mich ein Albtraum und in den Arbeitsmarkt einzutreten, braucht lange Zeit. Man muss die Sprache beherrschen und muss man auch in meinem Alter die Schule besuchen und studieren. In einem höherem Alter ist das in der Regel sehr schwierig.“

Einige Familienmitglieder verweigern zurückzukehren

Die älteste Tochter Marah, 20 Jahre, bevorzugt es, weiterhin zu versuchen, die deutsche Sprache zu lernen und wehrt sich gegen die Rückkehr nach Syrien. Sie sagte: "Man kann das Leben hier nicht so schnell bewerten, man kann hier viel machen." Marah war im zweiten Jahr an einer syrischen Universität am Institut für das Fach Literatur und Arabische Sprache und hofft auf die Gelegenheit, englische Literatur zu studieren, nachdem sie die deutsche Sprache beherrscht.

Übersetzung aus dem Arabischen: Mehdi Harichane.

Nicht nur Familie Farukh fühlt sich nicht wohl in Deutschland. Im Beitrag "Vom Paradies ins Exil" lest ihr, wieso Familie Matar sich in Deutschland zwar sicher, aber unglücklich fühlt.

Mohammed Swed
33 Jahre, Damaskus
... das Leben muss weitergehen.“

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