Zurück nach Afghanistan

Aufgrund der anhaltenden Kriegshandlungen, der Existenz der Taliban und des Islamischen Staats (IS), sowie der Einmischung anderer asiatischer Länder wie Pakistan und Indien, von Opiumhandel, Korruption, Armut und Arbeitslosigkeit, sind die meisten Afghan*innen gezwungen, ihr Land zu verlassen.

Warum flüchten viele Afghan*innen aus ihrem Heimatland?

Bereits Anfang 1978 flohen viele Afghan*innen aus ihrer Heimat. Grund war der Krieg der Sowjetunion gegen die Mudschaheddin. Viele Afghan*innen sind nach wie vor pessimistisch über die Zukunft ihres Landes: Hierzu sagte das Sondergeneralinspekteursbüro für den Wiederaufbau Afghanistans, das sogenannte "Sigar", in seinem Report Ende Januar 2016, dass 30 Prozent der Dörfer und Regionen unter der Kontrolle der Taliban sind.

Laut des UN-Hochkommissars für Flüchtlinge ist Afghanistan das zweitgrößte Land mit den meisten Geflüchteten. Im Jahr 2015 waren 20 Prozent der Geflohenen, die nach Europa gekommen sind, Afghan*innen. Nach Aussagen des "Ministeriums für Flüchtlinge" sind das demzufolge 250.000 Afghan*innen.

Das Schicksal einer Flüchtlingsfamilie

Abdulwajid Khan, der vor sechs Monaten mit seiner Frau und seinen beiden Kindern aus Angst vor Verfolgung seitens der Taliban und des IS aus Jalalabad nach Deutschland gekommen ist, sagt: "Ich komme aus dem Bezirk von Rodad, der momentan vom IS kontrolliert wird. In der Stadt Jalalabad hatte ich ein Musikcenter. Der IS hat mir gedroht mich zu töten, wenn ich das Center nicht schließe. Ein paar Tage später wurde ich durch einen Angriff schwer verletzt. Ein Monat lang lag ich im Koma. Nach meiner Genesung habe ich mein Center und mein Haus verkauft, um ein neues Leben gemeinsam mit meiner Familie in Deutschland zu starten. Auf meinem Weg durch den Iran hatte ich sehr viele Probleme. Sicherheitsmänner haben grundlos auf uns gefeuert, um uns Angst machen, damit wir wieder zurückkehren."

Sein sechsjähriger Sohn Sahwar erzählt seine traumatischen Erlebnisse während der Flucht: "Im Boot Richtung Griechenland waren wir 60 Leute, obwohl nur 30 erlaubt waren. Ich habe viel geweint, da ich dachte, dass die hohen Wellen uns zum Sinken bringen und das heute der letzte Tag meines Lebens ist." Weiterhin sagt Abdulwajid: "Mit meinem neuen Leben in Deutschland bin ich zufrieden. Das einzige, das mit stört, ist, dass Deutschland mit den afghanischen Flüchtlingen nicht gleich wie mit den anderen Flüchtlingen aus den anderen Nationen umgeht. In einem Land wie Deutschland wünsche ich mir mehr Gleichberechtigung unter den gesamten Flüchtlingen."

Zwangsrückführung afghanischer Geflüchteter aus Deutschland?

Angesichts der fehlenden Sicherheit, Armut und Arbeitslosigkeit nutzen die Taliban und aufständische Milizen die miserable Situation aus. Sie gewinnen die Jugend Afghanistans zum bewaffneten Krieg, indem sie ihnen einen Monatslohn geben, denn die Arbeitslosenrate der Jugendlichen ist hoch. Trotz der Arbeitslosigkeit und der daraus resultierenden Anwerbung durch die Taliban sind einige europäische Staaten der festen Überzeugung, afghanische Geflüchtete müssten zurück nach Afghanistan ausgewiesen werden.

Auch Deutschlands Innenminister Thomas de Maizière sagte dem afghanischen Präsidenten Ashraf Ghani bei seinem Besuch Anfang Februar 2016 in der afghanischen Hauptstadt Kabul, dass es notwendig sei, afghanische Geflüchtete zurück nach Afghanistan zu schicken. Auch wenn Deutschland es aus der moralischen Sicht nachvollziehen könne, dass die Menschen nach Deutschland kommen, sei es nicht möglich, ihnen immer Asyl und Aufenthalt zu geben, so de Maizière.

Im Jahr 2015 hat Deutschland circa 150.000 afghanischen Geflüchtete als Asylbewerber*innen registriert. Im Vergleich zum Jahr 2014 ist die Zahl afghanischer Geflüchteter um 140.000 gestiegen. Sayed Hussein Alimi Balkhi, Minister für Flüchtlingsangelegenheiten und Wiedereingliederung in Afghanistan, sagte in einem Interview mit der Deutschen Welle im Oktober 2015, dass Afghanistan alle freiwilligen Geflüchteten, die zurückkommen, aufnehme, jedoch keine Verantwortung für jene übernehmen könne, die entgegen den geltenden Abkommen zwischen Deutschland und Afghanistan abgeschoben würden. Er appellierte: „Die sich verschlechternde Sicherheitslage ist der Hauptgrund für die Flucht aus Afghanistan. Bei meinem letzten Treffen mit EU-Vertretern habe ich auf die Gefahren hingewiesen, denen die Menschen in unserem Land ausgesetzt sind. Ich habe die EU und auch Deutschland aufgerufen, in Anbetracht der Lage mehr Asylgesuchen von Afghanen stattzugeben.“

Übersetzung aus dem Persischen: Samir Rahman

Mehr über die Situation afghanischer Geflüchteter im Iran lest ihr hier. Wenn ihr persisch sprecht, könnt ihr den Originaltext hier herunterladen: 

PDF iconsafi_abdulhafiz_zuruck_nach_afghanistan_persisch.pdf

Safi Abdulhafiz
22 Jahre, Hamburg
... hat die Geschichte der Familie aufgeschrieben, da er sich mit dem Schicksal der Familie und dem der afghanischen Geflüchteten identifizieren kann.

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